
Wenige deutsche Militärs polarisieren bis heute so sehr wie Erwin Rommel. War er ein ritterlicher Offizier, der sich vom NS-Regime fernhielt – oder doch ein profitierender General, dessen Vermächtnis kritischer betrachtet werden muss? Dieser Artikel wägt die historischen Fakten ab, von seiner militärischen Karriere über seine Verstrickung in den Nationalsozialismus bis zu den Umständen seines Todes, und hilft Ihnen, sich ein differenziertes Urteil zu bilden.
Geburtsdatum: 15. November 1891 ·
Todesdatum: 14. Oktober 1944 ·
Rang: Generalfeldmarschall ·
Spitzname: Wüstenfuchs ·
Orden im Ersten Weltkrieg: Pour le Mérite ·
Bekanntestes Buch: Infanterie greift an (1937)
Kurzüberblick
- Teilnahme am Ersten Weltkrieg (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
- Buchautor (1937) (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
- Afrikafeldzug (1941–1943) (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
- Atlantikwall (1944) (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
- Kein NSDAP-Mitglied
- Einhaltung der Genfer Konvention
- Verstrickung in NS-Strukturen
- Beteiligung am Widerstand
- Zwang zum Selbstmord
- Staatsbegräbnis mit Ehren
- Mythos des ’sauberen‘ Generals
- Kontroversen bis heute
- 1891–1944: Lebensspanne
- 1941–1943: Höhepunkt der Karriere in Afrika
- 20. Juli 1944: Verbindung zum Attentat
- 14. Oktober 1944: Todestag
Die folgende Tabelle fasst die sieben wichtigsten Lebensdaten zusammen.
| Attribut | Wert |
|---|---|
| Vollständiger Name | Johannes Erwin Eugen Rommel |
| Geburtsort | Heidenheim an der Brenz |
| Todesort | Herrlingen |
| Todesursache | Selbstmord (Zwang durch Hitler) |
| Spitzname | Wüstenfuchs |
| Familie | Verheiratet mit Lucie Mollin; Sohn Manfred Rommel (1928–2013) |
| Grabstätte | Friedhof in Herrlingen |
Der Überblick zeigt: Rommels Vita enthält alle Elemente eines klassischen Feldherrenlebens – und dennoch bleibt die moralische Bewertung umstritten.
War Erwin Rommel ein guter Mensch?
Militärische Führung und Taktik
- Rommel war ein hochdekorierter Offizier im Ersten Weltkrieg und erhielt den Pour le Mérite (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).
- Sein Buch Infanterie greift an (1937) wurde Standardlektüre für Offiziere weltweit.
- Im Afrikafeldzug erwarb er sich den Ruf des Wüstenfuchses durch improvisierte, schnelle Angriffe.
- Churchill nannte ihn in einer Rede einen „sehr fähigen und mutigen Gegner“ (Institut für Zeitgeschichte).
Die militärische Exzellenz Rommels wird selten bestritten. Die moralische Frage bleibt: Sind herausragende Leistung und menschliche Güte dasselbe?
Die Implikation: Rommels militärische Fähigkeiten sind unstrittig, sie geben aber keine Antwort auf seinen Charakter jenseits des Schlachtfelds.
Charakter und Führungsstil
- Zeitgenossen beschrieben ihn als nahbar und fürsorglich gegenüber seinen Soldaten.
- Er lehnte Luxus ab und teilte oft die Entbehrungen seiner Truppe.
- Gleichzeitig war er ehrgeizig und nutzte Hitlers Protektion bewusst für seine Karriere (Institut für Zeitgeschichte).
„Er war kein menschenfreundlicher Idealist, sondern ein knallharter Karrierist, der seine Ziele verfolgte.“
Historiker Peter Lieb im IfZ-Archiv
Das Muster: Führungsstärke und menschliche Nähe auf der einen Seite, politische Naivität oder Opportunismus auf der anderen – ein Widerspruch, der bis heute diskutiert wird.
War Rommel ein Kriegsverbrecher?
Befehle und Menschenrechte in Nordafrika
- Rommel hielt die Genfer Konvention in Nordafrika ein (Institut für Zeitgeschichte).
- Er weigerte sich, einen Befehl zur Hinrichtung von Kriegsgefangenen auszuführen.
- Es gibt Belege für seine Beteiligung an Diskussionen über die ‚Endlösung‘ nach der Niederlage.
Rommel befolgte in Nordafrika humanitäre Standards, war aber als hoher Befehlshaber in ein verbrecherisches System eingebunden – eine Spannung, die Historiker uneins darüber lässt, wie er abschließend zu beurteilen ist.
Die Frage bleibt: Kann ein General, der Teil der NS-Militärmaschinerie war, moralisch freigesprochen werden, weil er in einem Teil seines Kommandos nach Regeln handelte?
Verstrickung in NS-Verbrechen
- Seine Rolle beim Bau des Atlantikwalls wird zwiespältig beurteilt.
- Einige Historiker betonen seine Distanz zu den schlimmsten Verbrechen, andere kritisieren seine stillschweigende Duldung.
- Das IfZ stellt fest, dass bisher kein einziger antisemitischer Befehl oder eine antisemitische Handlung Rommels überliefert ist (Institut für Zeitgeschichte).
Der Kompromiss: Rommel war kein Täter im engeren Sinne, aber durch seine hohe Position war er Teil des Systems – eine moralische Grauzone, die keine einfache Kategorisierung erlaubt.
Warum wurde Rommel ermordet?
Die Verschwörung des 20. Juli 1944
- Rommel wurde Kontakt zur Widerstandsgruppe um Stauffenberg nachgesagt (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).
- Er unterstützte die Idee eines Friedensschlusses ohne Hitler.
- Nach dem Attentat vom 20. Juli nannte er den Anschlag einen Fehler.
„Das Attentat auf Hitler war ein Fehler. Wir werden jetzt einen Bürgerkrieg erleben.“
Rommel, überliefert von seinem Sohn Manfred
Der Widerspruch: Rommel war kein aktiver Verschwörer im engeren Sinne, aber seine Sympathie für einen Friedensschluss ohne Hitler machte ihn für das Regime gefährlich.
Der Selbstmordbefehl Hitlers
- Hitler zwang Rommel zum Selbstmord am 14. Oktober 1944 (Institut für Zeitgeschichte).
- Dieser wurde als ‚Ehrentod‘ getarnt, um den Mythos zu wahren.
- Rommel nahm Gift und starb in Herrlingen.
Die Konsequenz: Der erzwungene Selbstmord zeigt, wie sehr das Regime selbst seine verdientesten Generäle als austauschbar betrachtete – und wie der Mythos des „sauberen Generals“ bewusst aufrechterhalten wurde.
War Rommel Mitglied der NSDAP?
Politische Einstellung Rommels
- Rommel war niemals formelles Mitglied der NSDAP (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).
- Er war jedoch ein Bewunderer Hitlers bis 1943.
- Seine Karriere verdankte er zum Teil der Förderung durch das Regime.
Der Kern der Sache: Keine Parteimitgliedschaft, aber enge Zusammenarbeit. Rommel war kein überzeugter Nazi, aber er war ein williger und profitierender Diener des Systems.
Verhältnis zur NS-Ideologie
- Das IfZ hält fest, dass Rommel dem NS-Regime offenbar nicht so eng verbunden war, wie oft behauptet wird (Institut für Zeitgeschichte).
- Historiker bezeichnen ihn als ‚Apolitiker‘, der die Partei nicht unterstützte, aber auch nicht bekämpfte.
- Er tolerierte die NS-Ideologie aus Karrieregründen, lehnte aber die extreme Radikalität ab.
Ein General, der 1939 Kommandant des Führerhauptquartiers war (für die militärische Absicherung Hitlers verantwortlich), steht automatisch in einer tiefen Verstrickung – unabhängig von seiner Parteimitgliedschaft.
Der Trade-off: Kein NSDAP-Mitglied, aber unverzichtbarer Teil der NS-Militärhierarchie. Das macht die historische Bewertung komplex – und verhindert ein einfaches Urteil.
Wer war der beste General im 2. Weltkrieg?
Rommel im Vergleich zu anderen Generälen
- Rommel wird oft als genialer Taktiker bezeichnet (Institut für Zeitgeschichte).
- Seine Gegner (Montgomery, Patton) hatten oft mehr Ressourcen.
- Andere Kandidaten sind George S. Patton, Georgi Schukow oder Bernard Montgomery.
Die folgende Vergleichstabelle verdeutlicht die unterschiedlichen Stärken und Rahmenbedingungen.
| General | Nationalität | Stärke | Ressourcen | Erfolgsquote |
|---|---|---|---|---|
| Erwin Rommel | Deutsch | Improvisation, Schnelligkeit | Begrenzt | Hoch in Afrika, niedrig in Europa |
| George S. Patton | USA | Panzerkrieg, Aggressivität | Reichlich | Sehr hoch |
| Bernard Montgomery | Großbritannien | Planung, Defensive | Reichlich | Hoch |
| Georgi Schukow | Sowjetunion | Massenstrategie, Durchhaltevermögen | Massiv | Höchster Beitrag zum Sieg |
Der entscheidende Punkt: Der Begriff ‚bester General‘ ist subjektiv. Rommels Stärke lag in improvisierten, schnellen Angriffen unter widrigen Bedingungen – aber er verlor den Krieg in Afrika und konnte den Atlantikwall nicht verteidigen.
Kriterien militärischer Exzellenz
- Taktisches Geschick: Rommel war herausragend.
- Strategische Weitsicht: Schwach – er verlor Nordafrika.
- Logistik: Vernachlässigt – ein wiederkehrender Fehler.
- Menschenführung: Exzellent – deshalb so beliebt bei Truppe und Gegner.
Die Schlussfolgerung: Rommel war der taktisch begabteste, aber strategisch nicht der beste General des Zweiten Weltkriegs. Sein Platz in der Geschichte ist der eines glänzenden, aber letztlich gescheiterten Feldherrn.
Timeline
- : Geburt in Heidenheim (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge)
- : Dienst als Offizier im Ersten Weltkrieg; Auszeichnung mit dem Pour le Mérite
- : Veröffentlichung seines Buches Infanterie greift an
- : Erfolgreiche Führung der 7. Panzerdivision im Westfeldzug
- : Oberbefehlshaber des Afrikakorps; Siege in Nordafrika
- : Rückzug aus Afrika; Beginn der Abkühlung zu Hitler
- : Bau des Atlantikwalls; Verwicklung in die Verschwörung vom 20. Juli
- : Zwang zum Selbstmord durch Hitler
Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- Rommel war kein NSDAP-Mitglied (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).
- Er erhielt den Pour le Mérite im Ersten Weltkrieg.
- Er wurde zum Selbstmord gezwungen.
- Churchill äußerte Respekt vor ihm.
- Sein Spitzname war ‚Wüstenfuchs‘.
Was unklar ist
- Ob er ein ‚guter Mensch‘ war, ist subjektiv und historisch umstritten (Institut für Zeitgeschichte).
- Seine tatsächliche Beteiligung an der Verschwörung vom 20. Juli ist nicht abschließend geklärt.
- Das Ausmaß seiner Kenntnis über den Holocaust bleibt Gegenstand der Forschung.
- Die genauen Umstände seines letzten Gesprächs mit Hitler sind nicht überliefert.
Zitate und Quellen
„Wir stehen vor einem sehr fähigen und mutigen Gegner – und, wenn ich das in diesem zerstörerischen Krieg sagen darf, einem großen General.“
Winston Churchill, britischer Premierminister, im Unterhaus 1942
„Er war ein guter Soldat, aber er diente einem bösen System.“
General Bernard Montgomery, britischer Feldmarschall
„Mein Vater war ein deutscher Patriot, kein Nazi. Er hat seinen Eid ernst genommen, aber am Ende hat er den Preis dafür bezahlt, dass er gegen Hitler aufbegehrte.“
Manfred Rommel, Sohn, in biografischen Aufzeichnungen
Für jeden, der sich mit deutscher Militärgeschichte und der moralischen Bewertung einzelner Akteure im Nationalsozialismus auseinandersetzt, ist die Lehre klar: Die Vereinfachung in „gut“ oder „böse“ wird Rommel nicht gerecht. Stattdessen bleibt die Aufgabe, seine Widersprüche auszuhalten – und sich selbst zu fragen, wie man in seiner Position gehandelt hätte. Diese Ambivalenz ist es, die den Erkenntnisgewinn ausmacht.
Häufig gestellte Fragen
Wo kann ich das Grab von Erwin Rommel besuchen?
Rommel ist auf dem Friedhof in Herrlingen (Baden-Württemberg) bestattet. Das Grab ist öffentlich zugänglich und wird bis heute von Interessierten besucht.
Wie alt wurde Erwin Rommel?
Er wurde 52 Jahre alt: geboren am 15. November 1891, gestorben am 14. Oktober 1944.
Hatte Rommel Geschwister?
Ja, Erwin Rommel hatte vier Geschwister: drei Brüder und eine Schwester. Die Familie war bürgerlich und nicht militärisch geprägt.
Was bedeutet der Name ‚Wüstenfuchs‘?
Der Spitzname entstand im Afrikafeldzug (1941–1943) wegen Rommels Fähigkeit, seine Gegner durch schnelle, unberechenbare Manöver in der Wüste zu überraschen. Der Name wurde von der deutschen Propaganda aufgegriffen und später international bekannt.
Wie wurde Rommel Generalfeldmarschall?
Nach dem Sieg der deutschen Truppen in Tobruk (Nordafrika) im Juni 1942 beförderte Hitler Rommel zum Generalfeldmarschall. Es war der Höhepunkt seiner militärischen Karriere.
Welche Auszeichnungen erhielt Rommel?
Neben dem Pour le Mérite (1917) erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten – eine der höchsten militärischen Auszeichnungen Nazi-Deutschlands.
Welche Rolle spielte Rommel in der NS-Propaganda?
Rommel war eine zentrale Figur der NS-Propaganda. Er wurde als unbesiegbarer „Wüstenfuchs“ inszeniert, um Siegeszuversicht zu verbreiten. Nach seinem Tod wurde der Mythos des „sauberen Generals“ bewusst aufrechterhalten, um die Wehrmacht vom NS-Regime zu trennen.
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